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Die Extended-Maintenance-Falle: was SAP-Hinweis 3255311 für den Solution Manager nach 2027 wirklich abdeckt

Viele lesen 2030 als Atempause. Tatsächlich ist die Extended Maintenance reduziert, an die Business Suite 7 gekoppelt und lässt Teile schon 2027 wegfallen.
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1. Was Extended Maintenance für den SAP Solution Manager bedeutet

Extended Maintenance ist die verlängerte Wartungsphase, die SAP nach dem Ende der regulären Mainstream Maintenance anbietet. Für den SAP Solution Manager 7.2 ist sie der Strohhalm, an den sich viele Organisationen klammern: Die Mainstream Maintenance endet am 31. Dezember 2027, und die Extended Maintenance verspricht Support bis Ende 2030. Genau aus diesem Versprechen entsteht ein gefährliches Missverständnis.

Der Solution Manager 7.2 folgt dem Wartungsmodell der SAP Business Suite 7. Die Extended Maintenance des Solution Manager ist an die Extended Maintenance der Business Suite 7 gekoppelt und kann nicht isoliert als billige Verlängerung gebucht werden. Die Bedingungen und der Umfang sind in SAP-Hinweis 3255311 geregelt, der die maßgebliche Quelle für jede Planung ist.

1. Der zentrale Denkfehler. Viele Organisationen lesen das Datum 2030 als zusätzliche Atempause und verschieben die Migrationsentscheidung entsprechend. Tatsächlich ist die Extended Maintenance kein eingefrorener Vollbetrieb, sondern eine reduzierte Wartung mit eingeschränktem Funktionsumfang, ohne Weiterentwicklung und ohne regulatorische Anpassungen. Wer 2030 als echtes Enddatum plant, plant auf einer falschen Annahme.

2. Warum der Hinweis 3255311 zählt. Der Hinweis legt fest, welche Funktionen die Extended Maintenance überhaupt umfasst und welche Teile schon vorher wegfallen. Ohne diese Lektüre bleibt jede Aussage über den Weiterbetrieb bis 2030 unbelastbar. Dieser Artikel macht die wichtigsten Punkte des Hinweises explizit, ersetzt aber nicht die Prüfung der jeweils aktuellen Fassung.

2. Warum die Annahme bis 2030 ist alles gut trügt

1. Eingeschränkter Funktionsumfang. Die Extended Maintenance des Solution Manager umfasst nur einen Teil der Funktionen: Requirements Management, Projektmanagement, Prozessmanagement, Test Suite, Change Control Management, IT Service Management und Landscape Management. Funktionen, die nicht in dieser Liste stehen, fallen aus der erweiterten Wartung heraus, auch wenn sie heute produktiv genutzt werden.

2. Teile enden schon 2027. Selbst Organisationen mit Extended Maintenance bis 2030 verlieren bestimmte Bestandteile bereits Ende 2027. Die eng mit dem Solution Manager verbundenen Werkzeuge wie der SAP Landscape Manager haben eigene, teils frühere Enddaten. Die Vorstellung, mit der Extended Maintenance bleibe alles unverändert bis 2030 erhalten, ist damit faktisch falsch.

3. Keine Weiterentwicklung, keine Regulatorik. In der Extended Maintenance werden nur noch kritische Fehler behoben. Es gibt keine neuen Funktionen, keine S/4HANA-spezifischen Erweiterungen und keine Anpassungen an neue regulatorische Anforderungen wie EU AI Act, NIS2 oder DORA. Wer Compliance-Nachweise aus dem Solution Manager zieht, bekommt keine Aktualisierung der zugrunde liegenden Funktionen mehr.

4. Die Kopplung an die Business Suite 7. Die Extended Maintenance des Solution Manager ist an die Extended Maintenance der Business Suite 7 gebunden. Sie ist damit kein eigenständiges, günstiges Produkt, sondern Teil eines größeren, aufpreispflichtigen Wartungsmodells. Die Kostenseite muss entsprechend im Gesamtkontext der Business-Suite-Wartung betrachtet werden.

3. Was Hinweis 3255311 konkret abdeckt und was nicht

Die folgende Aufstellung fasst die belastbaren Eckpunkte des Hinweises und der zugehörigen SAP-Dokumentation zusammen. Sie ersetzt nicht die Prüfung der jeweils aktuellen Fassung, sondern macht die Planungsgrundlage explizit.

1. Mainstream Maintenance. Sie läuft für den Solution Manager 7.2 bis zum 31. Dezember 2027. Bis dahin gilt der volle Umfang mit Fehlerbehebung im normalen Rahmen.

2. Umfang der Extended Maintenance. Abgedeckt sind ausschließlich Requirements Management, Projektmanagement, Prozessmanagement, Test Suite, Change Control Management, IT Service Management und Landscape Management. Alles außerhalb dieser Liste ist nicht Teil der erweiterten Wartung.

3. Kopplung und Kosten. Die Extended Maintenance des Solution Manager wird Kunden gewährt, die die optionale Extended Maintenance der Business Suite 7 nutzen. Sie folgt deren Bedingungen und ist damit Teil des aufpreispflichtigen Business-Suite-Wartungsmodells, kein separater Günstigtarif.

4. Customer-Specific Maintenance nach 2030. Über 2030 hinaus bleibt der Solution Manager 7.2 nur noch in der Customer-Specific Maintenance verfügbar, mit Einschränkungen. Die Bedingungen dazu regeln die SAP-Hinweise 52505 und 305372. Das ist kein strategischer Betrieb, sondern eine eng begrenzte Auslaufphase.

5. Perpetuelle Lizenz. Kunden mit gültigem On-Premise-Wartungsvertrag besitzen eine perpetuelle Lizenz und können den Solution Manager technisch auch nach dem Ende der Wartungsphasen weiterbetreiben. Technisch möglich bedeutet aber nicht unterstützt: keine Patches, keine Sicherheitskorrekturen, kein Support.

6. Keine ChaRM-Datenmigration. Unabhängig von der gewählten Wartungsoption stellt SAP kein Werkzeug bereit, das ChaRM-Bestandsdaten nach Cloud ALM überträgt. Die Extended Maintenance verschiebt diesen Punkt nur, sie löst ihn nicht.

4. Wo die Extended-Maintenance-Falle zuschnappt

1. Die Reduktion wird übersehen. Die größte Gefahr ist die Annahme, der Solution Manager bleibe bis 2030 unverändert nutzbar. Tatsächlich schrumpft der Umfang, neue Anforderungen werden nicht mehr bedient, und einzelne Bestandteile enden schon 2027. Wer auf dieser falschen Annahme plant, entdeckt die Lücken erst, wenn sie den Betrieb treffen.

2. Compliance läuft aus dem Takt. Regulatorische Anforderungen entwickeln sich weiter, die Extended Maintenance nicht. Ein Audit-relevanter Prozess, der auf einer eingefrorenen Solution-Manager-Funktion beruht, kann mit neuen Pflichten aus EU AI Act, NIS2 oder DORA auseinanderlaufen. Der Weiterbetrieb in eingeschränkter Wartung ist damit auch ein regulatorisches Risiko.

3. Der perpetuelle Weiterbetrieb ist ein Sicherheitsrisiko. Den Solution Manager nach Wartungsende einfach weiterlaufen zu lassen, ist verlockend, aber riskant. Ohne Sicherheitskorrekturen wächst die Angriffsfläche, und fehlende Patches kollidieren direkt mit den Nachweispflichten aus NIS2 und DORA. Was wie Kostensparen aussieht, erzeugt ein wachsendes, schwer kalkulierbares Risiko.

4. Zeit wird gekauft, aber nicht genutzt. Die Extended Maintenance kauft Zeit, beseitigt aber keine Aufgabe. Wer die gewonnene Zeit nicht aktiv für Bestandsaufnahme und Migration nutzt, steht 2029 oder 2030 vor demselben Problem, nur mit weniger Spielraum und unter höherem Druck. Zeitdruck in ALM-Projekten ist teuer, weil er Tests verkürzt und die Prozessqualität senkt.

5. Die Kostenrechnung täuscht. Weil die Extended Maintenance an die Business Suite 7 gekoppelt ist, ist sie kein günstiger Sondertarif. Der Aufpreis läuft über mehrere Jahre weiter, während der Funktionswert sinkt. In der Gesamtkostenbetrachtung kann ein früher Migrationsstart günstiger sein als ein langer Weiterbetrieb in reduzierter Wartung.

5. Ein Entscheidungsrahmen für die Übergangszeit

Die Extended Maintenance ist kein Fehler an sich, sie ist ein legitimes Werkzeug für die Übergangszeit. Entscheidend ist, sie als das zu behandeln, was sie ist: eine befristete Brücke, kein Dauerzustand.

1. Den tatsächlichen Funktionsbedarf prüfen. Abgleichen, welche der produktiv genutzten Solution-Manager-Funktionen überhaupt unter die Extended Maintenance fallen. Funktionen außerhalb der abgedeckten Liste brauchen schon vor 2030 einen Nachfolger.

2. Die frühen Enddaten separat erfassen. Bestandteile mit eigenem Enddaten, etwa das Landscape Management, bekommen einen eigenen Meilenstein, unabhängig vom 2030-Horizont.

3. Die Kosten vollständig rechnen. Den Aufpreis der Business-Suite-7-Extended-Maintenance über die geplante Laufzeit den Kosten eines frühen Migrationsstarts gegenüberstellen. Die längere Brücke ist nicht automatisch die günstigere.

4. Ein verbindliches Migrationsdatum setzen. Die Extended Maintenance nur mit einem festen Migrationsziel buchen. Ein realistischer Rahmen sieht die strategische Entscheidung spätestens 2027 und den produktiven Betrieb der Nachfolge deutlich vor 2030 vor.

5. Den perpetuellen Weiterbetrieb ausschließen. Den unsupporteten Weiterbetrieb nach 2030 nicht als Option führen, weil das Sicherheits- und Compliance-Risiko in regulierten Landschaften nicht tragbar ist.

6. Tool Landscape

Die folgende Tabelle ordnet die Optionen für die Zeit nach 2027 ein. Sie zeigt, dass die Extended Maintenance eine Brücke mit reduziertem Umfang ist und keine gleichwertige Fortführung des Vollbetriebs.

OptionZeithorizontFunktionsumfangSAP-SupportStrategische Eignung
Mainstream MaintenanceBis 31.12.2027VollVollständigStatus quo bis zur Migration
Extended Maintenance (an Business Suite 7 gekoppelt)Bis 2030Reduziert (sieben Funktionsbereiche)Nur kritische Fehler, keine WeiterentwicklungBefristete Brücke mit Aufpreis
Customer-Specific MaintenanceNach 2030Stark eingeschränktEingeschränktAuslauf-Notnagel
Weiterbetrieb ohne Support (perpetuelle Lizenz)Unbegrenzt technischEingefrorenKeiner (keine Patches)Nicht empfohlen, Sicherheits- und Compliance-Risiko
Migration zu Cloud ALM oder DrittanbieterZukunftsfähigJe nach PfadAktivDauerhafte Lösung
Orchestration Layer¹ZukunftsfähigChange-, Release- und Transport-Governance mit voller TiefeAktivMigrationsziel für regulierte und hybride Landschaften

¹ Solutive AG ist Initiator des Change Orchestration Institute. Die Bewertung in der Tabelle ist eine Selbstauskunft des Anbieters und nicht Teil einer redaktionell unabhängigen Validierung. Der Orchestration Layer ist ein Migrationsziel für die Change- und Transport-Governance, kein Wartungsmodell für den Solution Manager selbst.

Die Tabelle macht die Kernaussage sichtbar: Nur die Migration auf eine zukunftsfähige Plattform, sei es Cloud ALM, eine Drittanbieter-Lösung oder eine Orchestrierungs-Schicht, löst das Problem dauerhaft. Alle Wartungs-Optionen verschieben es nur, mit sinkendem Funktionswert und steigendem Risiko über die Zeit.

7. Operative Konsequenzen für SAP-Organisationen

Aus dem Hinweis 3255311 ergeben sich konkrete Schritte.

Die erste Konsequenz betrifft die Erwartung. Die Extended Maintenance ist keine Verlängerung des Vollbetriebs bis 2030, sondern eine reduzierte Wartung mit eingeschränktem Umfang. Wer das intern klarstellt, vermeidet Fehlplanungen, die auf dem Datum 2030 aufbauen.

Die zweite Konsequenz betrifft die frühen Enddaten. Bestandteile wie das Landscape Management enden teils schon 2027 und brauchen einen eigenen Plan, der nicht im 2030-Horizont untergeht.

Die dritte Konsequenz betrifft die Kosten. Weil die Extended Maintenance an die Business Suite 7 gekoppelt ist, gehört ihr Aufpreis über die geplante Laufzeit in die Gesamtkostenbetrachtung und der frühe Migrationsstart als ernsthafte Alternative geprüft.

Die vierte Konsequenz betrifft die Verbindlichkeit. Die Extended Maintenance entfaltet ihren Wert nur mit einem festen Migrationsziel. Ohne dieses Ziel wird aus der Brücke ein Aufschub, der das Problem unter höherem Druck in die Zukunft trägt.

Tool Landscape

Zusammenfassung und drei Kernaussagen

Erste Kernaussage. Extended Maintenance bis 2030 ist kein verlängerter Vollbetrieb, sondern eine reduzierte Wartung. Sie deckt nur sieben Funktionsbereiche ab, bringt keine neuen Funktionen und keine regulatorischen Anpassungen, und einzelne Bestandteile enden schon 2027.

Konkrete Handlungsempfehlung: Intern klarstellen, dass 2030 kein Vollbetriebs-Enddatum ist, und den abgedeckten Funktionsumfang gegen den eigenen Bedarf prüfen.

Zweite Kernaussage. Die Extended Maintenance ist an die Business Suite 7 gekoppelt und damit aufpreispflichtig, kein günstiger Sondertarif. Über 2030 hinaus bleibt nur Customer-Specific Maintenance mit Einschränkungen, und der perpetuelle Weiterbetrieb ohne Support ist ein Sicherheits- und Compliance-Risiko.

Konkrete Handlungsempfehlung: Den Aufpreis über die geplante Laufzeit den Kosten eines frühen Migrationsstarts gegenüberstellen und den unsupporteten Weiterbetrieb ausschließen.

Dritte Kernaussage. Die Extended Maintenance kauft Zeit, löst aber keine Aufgabe. Ohne festes Migrationsziel wird aus der Brücke ein Aufschub, der das Problem unter höherem Druck verschiebt. Eine ChaRM-Datenmigration stellt SAP in keiner der Optionen bereit.

Konkrete Handlungsempfehlung: Die Extended Maintenance nur mit verbindlichem Migrationsdatum buchen, strategische Entscheidung spätestens 2027, produktive Nachfolge deutlich vor 2030.


Quellen

SAP-Hinweis 3255311 "Wartungsbedingungen und Umfang Extended Maintenance SAP Solution Manager 7.2". SAP-Hinweise 52505 und 305372 zur Customer-Specific Maintenance. SAP Support Portal, "SAP Solution Manager" und ALM-FAQ, support.sap.com/en/alm, abgerufen Juni 2026. SAP Knowledge Base Article 3585220 "End of mainstream maintenance of SAP Solution Manager". SoftwareOne, "SAP Cloud ALM or Solution Manager", Mai 2025. blue.works, "Solution Manager, CloudALM und Focused Run", Februar 2026. Avantra, "The end of SAP Solution Manager", April 2026. DSAG-Investitionsreport 2026, 26. Februar 2026.

Querverweise auf weitere COI-Beiträge

"SolMan Migration: Der Weg vom SAP Solution Manager zu den Nachfolgern", "SAP Cloud ALM und die Lücken im Change Management: Stand 2026", "Die operative SolMan-Lücke 2027: was Monitoring, Focused Run und LaMa nach dem Wartungsende ersetzt", "Hybrid SAP ALM Architektur: Strategie für die 78-Prozent-Mehrheit".


Über den Autor

Christian Steiger ist Mitgründer und Geschäftsführer der Solutive AG und beschäftigt sich seit über 15 Jahren mit SAP-Application-Lifecycle-Management, Change Orchestration und Transport-Governance in komplexen Landschaften. Seine Schwerpunkte sind die Verbindung von SAP-Basis-Praxis mit modernen Governance-Architekturen, die Migration von SolMan-Landschaften nach 2027 und die Integration von SAP-Change-Prozessen in hybride Toolchains.

Das Change Orchestration Institute ist eine unabhängige Wissensressource für SAP ALM, Change Orchestration und KI-Governance. Initiator und Research-Partner: Solutive AG, solutive.ag/kontakt.

Autor:
Christian Steiger