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DSAG-Investitionsreport 2026: Drei Prozent SAP-AI bei 43 Prozent Gesamt-AI, was diese Lücke strategisch bedeutet

Der DSAG-Investitionsreport 2026 dokumentiert eine strategische Lücke: 43 Prozent Gesamt-AI-Investitionen, aber nur 3 Prozent SAP-AI.
April 27, 2026
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Was der DSAG-Investitionsreport 2026 misst und wen er befragt

Der DSAG-Investitionsreport ist die jährliche Erhebung der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe e.V. zu IT- und SAP-Investitionen, Cloud- und ERP-Strategien sowie Kundeneinschätzungen zu SAP-Themen im DACH-Raum. Die Ausgabe 2026 wurde am 26. Februar 2026 in Walldorf veröffentlicht. Befragt wurden 198 Personen aus DSAG-Mitgliedsunternehmen, jeweils CIOs, CC-Leitende oder Ansprechpersonen aus Anwenderunternehmen. Pro Mitgliedsunternehmen war nur eine Person zugelassen. Die Befragung lief vom 8. Dezember 2025 bis 21. Januar 2026 (Quelle: DSAG Pressemitteilung, dsag.de, 26. Februar 2026). 73 Prozent der teilnehmenden Unternehmen haben den Hauptsitz in Deutschland, 12 Prozent in der Schweiz, 10 Prozent in Österreich und 5 Prozent in sonstigen Ländern. 40 Prozent der Unternehmen beschäftigen 500 bis 2.499 Mitarbeitende, 28 Prozent 5.000 oder mehr. Die Top-5-Branchen: Maschinen-, Geräte- und Komponentenbau 12 Prozent, öffentlicher Sektor 9 Prozent, Chemie 8 Prozent, Versorgungswirtschaft 7 Prozent, Konsumgüter 7 Prozent. Eine Besonderheit der Ausgabe 2026: Der Fragebogen wurde wieder durch die DSAG verteilt, nicht wie 2025 durch SAP selbst. Vergleichswerte sind daher eher mit dem Investitionsreport 2024 als mit 2025 zu lesen.

Die 3-Prozent-43-Prozent-Lücke und was sie strategisch bedeutet

Die zentrale Zahl des DSAG-Investitionsreports 2026 ist eine Lücke: 43 Prozent der befragten Unternehmen investieren in KI-Technologien generell. Aber nur 3 Prozent investieren in SAP Business AI. Diese Lücke ist die strategische Kernaussage des Reports. Sie lässt sich auf zwei Arten lesen. Die erste Lesart: SAP-Kunden nutzen KI, aber nicht über SAP. Sie investieren in allgemeine KI-Werkzeuge, Cloud-AI-Services, eigene ML-Infrastruktur und Non-SAP-AI-Lösungen. SAP Business AI, also Joule und die spezifischen SAP-KI-Anwendungen, spielen noch eine untergeordnete Rolle. Die zweite Lesart: SAP Business AI befindet sich noch in der Early-Adopter-Phase. Die 3 Prozent repräsentieren frühe Investoren, nicht den Mainstream. Wenn die allgemeine KI-Adoption der Vorbote der SAP-AI-Adoption ist, dann wird der nächste Report einen höheren SAP-AI-Wert zeigen. Welche Lesart zutrifft, hängt davon ab, ob die 40-Prozent-Lücke strukturell ist (SAP-Kunden bevorzugen Non-SAP-KI) oder temporär (SAP-Kunden warten auf reifere SAP-AI-Funktionen).

Wie SAP-Kunden die Lücke schliessen können

Für SAP-Kunden, die KI-Investitionen planen oder ausweiten wollen, ist die Lücke eine Orientierungsaufgabe: Inventar zuerst. Bevor investiert wird, wird inventarisiert: Welche KI-Werkzeuge werden bereits genutzt, auch informell? Die 43-Prozent-Zahl enthält wahrscheinlich einen erheblichen Anteil an Shadow AI: Mitarbeitende, die ChatGPT, Claude oder andere Dienste für Arbeitsaufgaben nutzen, ohne dass dies zentral erfasst ist. Ein belastbares KI-Inventar ist Voraussetzung für jede strategische Entscheidung. Use-Case-Analyse vor Tool-Entscheidung. Die Frage ist nicht „SAP AI oder Non-SAP AI“, sondern „Fur welche Use Cases gibt es produktionsreife Lösungen?“ Für einige SAP-Kernprozesse (Cash Management, Production Planning) sind SAP-eigene Agenten jetzt in GA. Für andere Prozesse (ABAP-Code-Generierung, Custom-Analytics) können generische AI-Modelle mit SAP-MCP-Konnektoren relevanter sein. Governance-Infrastruktur als Voraussetzung. Unabhängig davon, ob SAP AI oder Non-SAP AI: Wer KI in SAP-Prozesse einbindet, braucht eine Governance-Infrastruktur. KI-Inventar, Risikoklassifikation, Change-Prozess für KI-Änderungen, Monitoring. Diese Infrastruktur ist werkzeugagnostisch. Sie muss vor der Adoption stehen, nicht danach.

Warum SAP AI hinter dem Markt zurückbleibt

Reife-Lücke. Viele SAP-AI-Funktionen waren bis Q1 2026 in Preview oder Early Adopter-Phase. Produktionsbereite Unternehmen warten auf GA. Das ändert sich mit dem Q1-Release (Joule Studio GA, Cash Management Agent GA), aber der Report-Zeitraum (Dezember 2025 bis Januar 2026) bildet das noch nicht ab. Integrationskomplexität. SAP Business AI ist tief in SAP-Prozesse integriert, was Change-Prozesse, Tests und Governance-Anforderungen mit sich bringt. Non-SAP-AI kann mit weniger Integrationsaufwand ausprobiert werden. Preisstruktur. SAP Business AI ist über SAP Enterprise Support oder cloud-subscription abgedeckt, aber spezifische Premium-AI-Features können zusätzliche Kosten verursachen. Die Kostenstruktur ist nicht immer transparent. Wahrnehmungsdefizit. 42 Prozent der Befragten planen keine SAP-AI-Investitionen im Planungshorizont. Das deutet auf ein Wahrnehmungsdefizit hin: Joule und die neuen Agenten-Funktionen sind bekannt, aber ihre strategische Relevanz für den eigenen Betrieb ist nicht klargemacht worden.

Inventar vor Adoption, Governance vor Tool-Entscheid

Für Unternehmen in der 43-Prozent-Gruppe (investieren in KI, aber nicht SAP-AI): Prüfen, ob der generelle KI-Einsatz mit SAP-Prozessen interferiert oder integriert werden sollte. SAP-AI-Use-Cases auf Reife-Status prüfen (was ist jetzt in GA?). Governance-Infrastruktur aufbauen, die für beide Welten gilt. Für Unternehmen in der 3-Prozent-Gruppe (investieren in SAP AI): Governance-Infrastruktur konsequent aufbauen, bevor weitere Agenten produktiv gehen. Change-Prozess für Agent-Updates definieren. EU-AI-Act-Klassifikation pro Agent durchführen. Für Unternehmen, die noch nicht investieren: Inventar der informellen KI-Nutzung erstellen. Das ist wahrscheinlich grösser als erwartet und der erste Schritt zur Governance.

Tool Landscape

Zusammenfassung

Der DSAG-Investitionsreport 2026 dokumentiert eine 40-Prozent-Lücke zwischen allgemeiner KI-Adoption (43 Prozent) und SAP-AI-Investitionen (3 Prozent). 78 Prozent der DACH-SAP-Kunden betreiben hybride Landschaften. Die strategische Konsequenz: KI-Inventar zuerst, Governance-Infrastruktur als Voraussetzung, Use-Case-Analyse vor Tool-Entscheid.

Autor:
Christian Steiger
Thomas A. Anderson